Sonntag, 3. Mai 2015

Antikes Open Air Museum Luxor...

Am ersten Militär-Kontrollposten scheitern wir mit unserer Idee, schnell und unkompliziert über die Western Desert Road nach Luxor zu kommen.
Warum verstehen wir mangels Arabisch  und Englisch Kenntnissen nicht – ein Handzeichen irgendeines Offiziers sagt aber nicht gerade aus, als würden wir den Abend noch erleben...
Und so fahren wir dem Nil entlang, meist parallel zur Eisenbahn durch alle Dörfer und Städte – vor allem aber über gefühlte 1'000 Strassenschwellen... und wie fast schon gewohnt unzählige Polizeikontrollen.
Die sind so richtig gross angelegt, gemauert, fest installiert, brachial, hierarchisch – Schwellen, dann ein Häuschen mit einem meist minderjährigen Rekruten drin, der falls das Fahrzeug nicht zum Stoppen käme, das mit einer Reissleine nachholen würde.
Immer 3, 4 Maschinengewehre rechts und links im Anschlag und in der Mitte der Kommandoposten, rauchend, Tee trinkend, überlegend, ob man aufstehen soll - kurz, wo man weder schlau wird, wer in Charge ist, noch wer draus kommt.
Intessanterweise, trotz dieses üppigen Kontrollapparates ist die gefühlte Sicherheit nahe null... Die Fahrt ist aber irgendwie schön und so ist auch Luxor, das alte Theben – der Touri-Spot in Ägypten. Wir ziehen zu Fuss zur Corniche-el-Nile, der Uferpromenade.
Wir wollen zum After-noon Tea oder auf einen GT ins Winterpalace Hotel, die edle Grand-Dame aus der Jahrhundertwende. Auch dieses Projekt versagt kläglich, wir sind zuwenig chic angezogen für das noble Etablissement...
Und so lernen wir die Tourismus-Flaute hier in Luxor eins zu eins kennen, wir sind umringt von verzweifelten Angeboten wie Schmeissfliegen... zu Preisen, die abartig billig sind – sei’s Pferdekutsche, Feluckenfahrt, Tücher oder sonst unnütze Staubfänger.
Sie könnten einem fast leid tun... wir retten uns und geniessen ein Aperöli am Nil...
Am nächsten Tag machen wir einen archäologischen Marathon – Theben auf der westlichen Nilseite mit dem Tal der Könige, ein vegetationsloses Wadi das als Nekropole für bisher 64 entdeckte Grabstätten dient. Die Abgeschiedenheit des Tales ist mystisch und wenn man sich vorstellt, dass die Gräber unsichtbar gemacht wurden, um vor Grabräubern zu schützen und den ganzen touristischen Klimm-Bimm wegdenkt, dann ist das ein toller Ort für die Ewigkeit.
Die in die Tiefe geschlagenen Felskavernen sind je nach Regierungsdauer des Herrschers grösser oder kleiner – der Baubeginn war jeweils kurz nach Krönung und es wurde gebaut bis zum Tode, tiefer und tiefer.
Wir besuchen die Gräber des Tausret und Sethnacht, Siptah und des Merenptah – und natürlich das des Kinderkönigs Tutanchamun, das entäuschend klein ist...
Man darf maximal 3 Gräber besuchen, es sind meist nur etwa 10 von den 64 offen – man schliesst sie bewusst, um sie vor dem Zerfall zu schonen. Und das Fotografieren ist strikt verboten – das erste Mal in Afrika ist man wenigstens so gründlich konsequent, dass weder Kamera noch Mobilfon ins Tal genommen werden dürfen...
Anschliessend besuchen wir Deir el-Bahari besser bekannt als Totentempel der Königin Hatschepsut oder auch als der Ort des Attentates von Luxor 1997 – was hier ein Tabu, ein Nicht-Geschehen-Thema ist.
Und zu guter Letzt auf der anderen Nilseite die Karnak-Tempel, als größte Tempelanlage von Ägypten mit dem grossen Säulensaal, wo 134 wunderschön verziehrte Pylonen nahe beeinander stehen.
Und auf einmal kann mich die ägyptische Geschichte sogar ein bisschen begeistern – wenn man sich vorstellt, dass sie damals schon phosphorhaltige Leuchtsteine in die Wände versenkten um die Nacht zu erhellen... Vom Karnak Tempel führte in der Antike eine Allee, die beidseitig von 365 Sphinxen gesäumt war, zum ca. 2,5 km entfernten Luxor-Tempel.
Diese Straße wird von der Stadt heute wiederhergestellt, soll 11 Millionen Dollars kosten und sie sind schon recht weit. Es zeigt von Hoffnung, dass der touristische Bär hier wieder tanzt und die beeindruckenden Leistungen der Vorfahren wieder sichtbar werden.
Die Chancen stehen nicht schlecht – wenn sie die Polizeikontrollen unnötig machen, die nervigen Souvenirverkäufer bändigen und das ganze Niveau noch vom Pauschaltourismusgroove weglotsen. Aber vielleicht ist Ägypten nach über 90 Tagen Afrika einfach ein bisschen too mötschele und ich müsste für ein zweites Bild wiederkommen...

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