Freitag, 1. Mai 2015

Tod auf dem Nil

Aswan erreichen wir per Konvoi, der eben niemals einer war... Ich weiss nicht, aber dieses Land ist schwierig zu verstehen. Die Fahrt von Abu Simbel nördlich darf nur im Konvoi, entweder um 10 oder 16 Uhr erfolgen – diese Organisation ist noch ein hier noch einzig übriggebliebenes Relikt aus Zeiten der Attentate.
However, wir warten, werden allein aufkoloniert und dürfen dann ganz alleine fahren – einfach zügig mit so immer 100 Sachen.
Aswan liegt unterhalb des ersten Katarakts – bis hier war der Nil vom Meer her schiffbar. Die Behinderung an der Weiterfahrt machte die Stadt zu einem wichtigen Umschlag- und Handelsplatz für die Karawanen von und nach Nubien.
Mit dem Bau der Delta Barrages in der Mitte des 19. Jahrhunderts und dem Aufstauen des Nils begannen die Überlegungen mit künstlichen Bewässerungen zusätzliche Anbaufläche zu schaffen.
Die Engländer bauten dafür 1902 die erste Assuan Staumauer, in den 70er Jahren folgte weiteroben der Aswan High Dam, ein Gemeinschaftsprojekt von Ägypten und der Sowjetunion, weil damals die westliche Welt das Projekt nicht finanzieren wollte. Der Damm ist riesig und militärisch scharf besetzt (oder feiner gesagt gesichert).
Wir besichtigen das Bauwerk, das den grossen Nassersee mitten in der Wüste aufstaut – ziemlich interessant mit all den Themen über Sinn und Unsinn dieses weissen Elefanten.
Das Gute ist, der Nil kann und konnte in der Vergangenheit erfolgreich reguliert werden, Dürrekatastrophen wie auch Überschwemmungen verhindert werden. Ein bisschen Strom wirft er auch ab und unterhalb der Mauer ist der Nil krokodilfrei, was uns später sehr zu gut kommt.
Die Nachteile waren die „Versenkung“ vieler Kulturgüter und –denkmäler im See, die Umsiedelungen, das Ende des Nilschlammes für die Düngung und überhaupt der Eingriff in die Natur. Aber das war damals im Kalten Krieg auch nicht so ein Thema...
Die Überflutung von Tempeln können wir am Mittag bei den Tempeln von Philae mit den eigenen Augen sehen, hier waren es aber noch die Engländer, die die Bauwerke über 50 Jahre im Wasser stehen liessen.
Von 1977 bis 1980 zügelte man auch hier die ganze Chose auf die leicht höhere Nachbarinsel, um den Verfall und Einsturz der Tempelanlagen, die der Göttin Isis gewidmet sind, zu verhindern.
Per Boot erreichen wir die Insel, das Ganze ist sehr touristisch – die Souvenirs werden mit einer unglaublichen Aufdringlichkeit fast nachgeworfen und man könnte fast sagen, es nervt...
Aber die alten, wunderschönen Bauwerke strahlen soviel Ruhe aus und haben sogar die Versetzung perfekt überlebt, dass mich die Ägypter auch nicht um den Verstand bringen.
Am Nachmittag besteigen wir eine Felucke, ein einmastiges Segelschiff – ein wahnsinnig gutes Erlebnis. Wir entfliehen mit dem Schiff in die Ruhe, kein Motor, nur der Wind – betrachten die Stadt vom Nil her – in guter Distanz. Wir segeln nilabwärts und –aufwärts, verbringen die Nacht auf der Barke am Fuss des Mausoleums von Aga Kahn III.
Nichtstun, rumliegen, im frischen Nil baden ohne Ende – einfach toll und es hätte noch viel länger gehen können... Und so bin ich von Aswan ziemlich begeistert, die touristische Stadt, die grad sehr in einer Flaute ist, es läuft eigentlich gar nichts.
In der Schweiz würde man jammern, einen Sondersatz bei der Mehrwertsteuer oder überhaupt Staatshilfe beantragen – hier stellt man einfach fest, dass der Tourismus mit der Revolution im 2011 den Bach runterging.



Wie’s weitergeht, weiss man nicht, man hat Pläne für danach, aber vorerst gilt es abzuwarten, wie’s weitergeht, wer ans Ruder kommt, wer am Ruder bleibt...
Ich bewundere Ali, unseren Segelkapitän, seine Ruhe und  Geduld mit dem Nil und dem Wind.
Wir segeln um die Kirchner und  Elephantine Island und ich stelle fest, die Stromschnellen sind immer noch da und auch das ehrwürdige Hotel Old Cataract (nein, wir logieren nicht da...), wo Agatha Christie sich für ihren Roman „Tod auf dem Nil“ inspirieren liess.
Abendessen in einem nubischen Haus bei der Kusine von Mohammed, man hält sich zwei Krokodile als Haustiere, wir erfahren einiges über den lokalen Lebensstil – der irgendwie sehr sippenhaft nahe verstrickt ist und ich nie-und-nimmer überleben würde... im Dunkeln tuckern wir zurück durch die Cataracts, hinten die hellerleuchtete Stadt zurück zum Adam’s Home, wo wir das letzte Mal im Zelt und, weil wir unterdessen ja so geübt sind, im Sand schlafen.

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